Veranstaltungen zum Thema Martel in Niederösterreich

Auszug aus www.bildungsangebote.at - Weiterbildung in Niederösterreich

LEHRGANG ZUM ZERTIFIZIERTEN KLEINDENKMALEXPERTEN

 

Informationen zum Kurs zertifizierte/r Kleindenkmalexpert/in

1. Einleitung
Kleindenkmäler – im Volksmund als Marterln bezeichnet - sind ein Teil unserer Kulturlandschaft. Sie sind uns so vertraut, dass wir sie kaum noch bewusst wahrnehmen – sie sind einfach vorhanden und gehören zu der Landschaft, in der wir leben. Sie sind jedoch weit mehr als das wegweisende Zeichen für Wanderer oder das Fotomotiv im Sonnenuntergang.
Jedes Kleindenkmal ist in seiner Individualität einzigartig!
Auch bei typologischer Ähnlichkeit zeigen sich regionale Unterschiede in der Ausgestaltung, regionale Abwandlungen des verwendeten Materials und besonders bei der Wahl der dargestellten Heiligen. Vorrangig ist es aber der jeweilige Grund für die Errichtung, der jedes Marterl zu einem individuellen, einzigartigen Kulturdenkmal macht.
Jedes Kleindenkmal ist mit der Geschichte und mit persönlichen Schicksalen einer Region verknüpft!
Kleindenkmäler spiegeln Volksglauben und die Historie der Region wider, sie erinnern an Katastrophen und Kriege. Oft sind sie aber Zeichen für Ereignisse und Schicksale einzelner Personen und Familien der Region. Damit waren sie Teil des Lebens unserer Vorfahren und sind auch heute noch mit Familien verbunden
Viele Kleindenkmäler haben Darstellungen aus Theologie und Volksglauben
Jedes Kleindenkmal hat einen konkreten historischen Anlass, gesetzt wurden viele aber aufgrund des Volksglaubens der entsprechenden Zeit. So sind viele Kleindenkmäler Zeugen des christlichen Glaubens, der die Basis für die heutige Kulturgesellschaft in Niederösterreich ist. Viele sogenannte „Marterln“, ob aus Dankbarkeit, Bitte oder Gelöbnis (Einlösen eines Versprechens) errichtet, enthalten religiöse Darstellungen, die die theologische Sprache der ihrer Entstehungszeit sprechen. Darüber hinaus sind Kleindenkmäler vielfach auch heute noch Orte, an denen Brauchtum und Gottesdienste (Flurprozessionen, Bittage, Wettersegen etc.) gefeiert werden.
Eine unerwartete Vielfalt in großer Anzahl!
Die Bandbreite der Kleindenkmäler reicht von einfachen Holzkreuzen und Bildbäumen über zeitlose Säulen und Pfeiler bis hin zu üppig ausgeführten Pestsäulen und Figurengruppen. Sie zeigen unterschiedlichste Stile aus rund sechs Jahrhunderten und gewinnen durch regionale Ausprägungen noch an Vielfalt.
Das durch EU, Bund und Land NÖ geförderte Projekt „Zeichen unserer Kulturlandschaft (www.kleindenkmal.at) zeigte erstmals die große Anzahl profaner und religiöser Kleindenkmäler auf: In rund 65 Gemeinden wurden im Rahmen dieses Projekts ca. 5.000 Kleindenkmäler erhoben! In der 2015 installierten Datenbank www.marterl.at für Niederösterreich, werden an die 40.000 Kleindenkmäler erwartet.

2. Intention
Der Kurs soll Interesse an der eigenen Geschichte wecken, die Augen für das Selbstverständliche – die Kleindenkmäler in der Region – öffnen. Dadurch entsteht auch ein Bewusstsein für die Region – dass mit den Kleindenkmälern der Region etwas Eigenes, Besonderes und sogar Persönliches vorhanden ist.
Dieses Selbstbewusstsein und das im Kurs vermittelte Wissen sollen die Basis für eine touristische und regional-bildnerische Tätigkeit sein, die dieser Region auch zu Gute kommt und nachhaltig wirkt. Wichtig ist hier auch der touristische Input über vorhandene touristische Einrichtungen, um einen Vernetzungseffekt zu fördern.
Weiters soll dieses Bewusstsein um die Besonderheit der Kleindenkmäler der eigenen Region auch einen Weg zur Identitätsfindung der Region öffnen.
Durch die Abschlussarbeit (z.B. Entwicklung einer „Marterlrunde“) wird der Grundstein für eine nachhaltige Bildungsarbeit aus und für die Region gelegt.


3. Angestrebte Ziele
Folgende Ziele sollen mit der Durchführung des Kurses erreicht werden:
•    Schaffung eines Pools an Personen aus der Region mit einem profunden „Know-how“ in Theorie und Vermittlung, die das Wissen über Kleindenkmäler
a) touristisch nutzen
b) im Sinne der regionalen Bildung weitergeben können.
•    Dadurch Vermehrung der kulturtouristischen Angebote in der Region.
•    Durch die im Kurs vorgestellte Kleindenkmaldatenbank und der Anregung zur Eingabe der Kleindenkmäler der eigenen Region kann durch diesen Internetauftritt der Bekanntheitsgrad der Region vermehrt werden.
•    Stärkung des Bewusstseins für die eigene Region durch die Individualität der Kleindenkmäler und ihrer regionalen Besonderheit.
•    Schaffung eines Personenkreises, der durch das im Kurs Erfahrene als positiver Meinungsträger für die Region wirkt.
•    Hilfe und Schaffung einer Möglichkeit zur regionalen Identitätsfindung, indem die Marterln als „Anker“ in der Geschichte der Region dienen – ihre Hintergründe der Errichtung zu regionalen Ereignissen und persönlichen Schicksalen führen.
•    Schriftliche Abschlussarbeit mit Entwicklung eines Projektes der Erwachsenenbildung über Kleindenkmäler (z.B. „Marterlrunde“)

4. Kurs zertifizierte/r Kleindenkmalexpert/in
Umfang des Kurses: Der Kurs umfasst 18 Module gesamt 64 Unterrichtseinheiten.
Geplant ist eine Durchführung an Samstagen ganztags 8 Einheiten bzw. Freitage Nachmittag/Abend, halbtags, 5 Einheiten.
Um wba-Zertifizierung ist angesucht.
Veranstaltungsstandort: BHW Haus 3100 St.Pölten, Linzer Straße 7
TeilnehmerInnenanzahl: minimal. 8, maximal 20 TeilnehmerInnen
Anforderungen für das Zertifikat:
•    70% Anwesenheit im Kurs
•    Erstellung einer schriftliche Arbeit (z.B.: Entwicklung einer eigenen „Marterlrunde“ inkl. Verortung/Kartenskizze Routenbeschreibung und Kurzbeschreibung der einzelnen Haltepunkte/Kleindenkmäler) - mind. 15.000 Zeichen mit Leerzeichen, entspricht rund 5 A4 Seiten Text in 12-Punkt Schrift
•    Mündliche Abschlusspräsentation eines der Kleindenkmäler aus der schriftlichen Arbeit

4.1. Kursinhalt:
1    Begrüßung und Vorstellungsrunde - Organisatorisches
Kurze Begrüßung der Kursleitung (und fakultativ eines/r VertreterIn der veranstaltenden Institution), Vorstellung des Kurses sowie Vorstellungsrunde der TeilnehmerInnen
2    Woraus besteht ein Kleindenkmal - Baumaterialien
Das Material, aus dem ein Kleindenkmal gefertigt wurde, ist Teil der äußerlichen Merkmale und kann Hinweise auf Alter, Herkunft etc. geben. Vorstellung der wichtigsten Materialien und wie man sie erkennen kann.
3    Formen in der Zeit - Stilkunde
Baustil und Ausfertigung lassen Aussagen über Alter und Stifter zu.
In einer bildreichen Zeitreise werden die für Kleindenkmäler wichtigen Stilepochen vorgestellt, die typischen Erkennungsmerkmale des jeweiligen Baustils herausgearbeitet. Zusätzlich werden die nötigen Grundbegriffe der Architektur vermittelt.
4    Welches Kleindenkmal ist das - Kleindenkmaltypen
Kleindenkmäler können auf Grund ihrer Ausführung in Kategorien eingeteilt werden. Die Kenntnis über die Zuordnung ermöglicht eine konkrete Ansprache (Breitpfeiler, Tabernakelpfeiler, Hochkreuz etc.). In einem bildreichen Überblick werden die verschiedenen Kleindenkmaltypen vorgestellt.
5    Welche/r Heilige ist das – Ikonographie
Jede/r Heilige weist in seiner Darstellung typische Attribute auf, die auf sein Leben/Werk/Martyrium (z.B.: Hl. Florian: Holzkübel zum Löschen des Feuers, Fahne meist römische Kleidung/Rüstung) hinweisen und ihn/sie dadurch erkennbar machen. In diesem Modul werden die wichtigsten Heiligen, die in Kleidenkmälern dargestellt werden, vorgestellt und ihr historischer Hintergrund, Legenden und Bräuche erläutert.
6    Vorstellung der Kleindenkmaldatenbank
Vorstellung der niederösterreichweiten Kleindenkmaldatenbank und die Möglichkeiten der Verwendung als Hilfe zum Erkennen der Kleindenkmäler der eigenen Region.
7    Inhalte und Verwendung der Datenbank
In diesem Modul wird vermittelt, wie man die Kleindenkmäler der eigenen Region in die Datenbank eingeben kann. Grundlegendes – wie gebe ich ein - und Anforderungen zu textlichen Inhalten, Fotos etc.
8    Warum setzen wir Denkmäler 1: Ursprünge, Politik, Geschichte
Zu Beginn wird die grundsätzliche Frage erörtert „Warum setzt man ein Kleindenkmal?“ Im Weiteren erläutert der Vortrag die Motive der Setzung, die in Geschichte und Politik zu finden sind.
9    Warum setzen wir Denkmäler 2: Religion & Gesellschaft und Volksglauben
Eine spannende Zusammenfassung zeigt Hintergründe der bildlichen Darstellungen Gottes, der Dreifaltigkeit, Mariens oder der Heiligen auf und weist dabei auf Ursprünge aus Theologie, auf geschichtliche Aspekte und Volksfrömmigkeit hin. ?
10    Mehr als nur sehen - was will uns das Marterl „sagen“?
Die äußere Form – das, was mit den Augen wahrgenommen wird – ist nur ein Teil der Wahrnehmung eines Kleindenkmals. In einzelnen Schritten werden die TeilnehmerInnen an die grundlegende Frage „was will/soll uns das Kleindenkmal sagen?“ herangeführt, aber auch der Faktor Zeit – was bedeutete es damals – was heute – wird erörtert.
11    Was löst das Marterl in mir aus
Zu den im Modul 10 erfahrenen Inhalten kommt nun ergänzend auch das Umfeld, der Standort des Kleindenkmals. Mit Beispielen und interaktiven Elementen werden die TeilnehmerInnen angeleitet, das Kleindenkmal auch „zu erspüren“, die Symbolkraft, seine Aussage in der Gesamtheit zu erkennen.
12    Einführung in die Vermittlungstechnik
In kompakter Form werden die grundlegenden Bausteine einer personengetragenen Vermittlung vorgestellt – vom Aufbau, Zeitplan bis hin zu erlebnisdramaturgischen Elementen und praktischen Tipps.
13    Kurzreferate – Übungen
Mit Überzeugungsreferaten (mit Zeitlimit) der TeilnehmerInnen und anschließender wertungsfreier Diskussion/Feedback wird ein Einstieg bzw. eine Auffrischung in das freie Reden in amikaler Atmosphäre gegeben.
14    Tipps und Problembewältigung bei Vermittlungen
Bei personengetragener Vermittlung im Freien können Störfaktoren bzw. Probleme auftreten, die es zu bewältigen gilt. Gemeinsam werden Lösungsansätze dafür erarbeitet und viele praktische Hinweise gegeben.
Ebenso werden die rechtlichen Grundlagen der personengetragenen Vermittlung vorgestellt.
15    Marterlwanderung-Praxis
Bei einer gemeinsamen Runde zu einigen Kleindenkmälern der Region wird das im Kurs Vermittelte nun angewendet: was kann ich erkennen, wie kann ich das beschreiben, was fühle ich?
16    TeilnehmerInnen-Präsentationen
Der/die TeilnehmerIn wählt aus der schriftlichen Abschlussarbeit ein Kleindenkmal aus und stellt dieses der Gruppe in Form einer Kurzpräsentation (mit Bildunterstützung) vor.
17    Marterl und Tourismus – Nutzen für die Region
Durch eine/n VertreterIn der Region oder aus dem Bereich des Tourismus werden Möglichkeiten für eine touristische Nutzung vermittelt und gegebenenfalls Verbindungen zu bestehenden Einrichtungen der Region aufgezeigt.
18    Zertifikatsverleihung
Verleihung der Zertifikate in feierlichem Rahmen.